PROdigital TV e.V.

Pressemeldungen

20.02.2026

Zur Berlinale: PROdigitalTV Medienfrühstück mit einer Experten-Bestandsaufnahme: Wie hat KI die Medienwirtschaft verändert?

Mensch versus Maschine? Die KI gewinnt in rasantem Tempo Fahrt und stellt die Medienwirtschaft vor immer neue Herausforderungen. Experten aus der Branche setzten sich auf dem Symposium mit der Frage auseinander, welchen Einfluss die KI auf Content, Kommun


Am 17. Februar fand das PROdigitalTV Medienfrühstück in Berlin traditionell im Umfeld der Berlinale statt. Sponsor der jährlich wiederkehrenden Veranstaltung war die HEUSSEN Rechtsanwaltsgesellschaft.

Ein Schwerpunktthema war in diesem Jahr eine erste Bestandsaufnehme, wie weit Künstliche Intelligenz die Medienwirtschaft nicht nur beeinflusst, sondern zunehmend auch steuert. Dabei geht es neben der dynamischen technologischen Fortentwicklung auch um die Konsequenzen ihres Einsatzes: Für Kreative und Produzenten, für Contentformate und Vermarkter, und letztlich auch für Konsumenten. Ein wesentlicher Aspekt war auch die Betrachtung rechtlicher Grundsatzfragen, wie z.B. die nach einer funktionierenden Regulierung.

„Natürlich ist die KI für Kreative und Kommunikationsagenturen ein Gamechanger“,

Gregor C. Blach, Gründer und Geschäftsführer der Agentur „WE DO communication“ und Vorstand des Marketing Club Berlin e.V., stellte in seinem Vortrag menschliche Kompetenz und Künstliche Intelligenz als zwei Pole dar, die sich gegenseitig befruchten, aber auch im Wettbewerb zueinander stehen können. Kreativagenturen, so Blach, arbeiten heute mit verschiedenen KIs, die neben einem höheren Arbeitstempo auch selbst Ideen vorschlagen.

Doch was passiert, wenn Algorithmen selbstständig Konzepte entwerfen, Texte schreiben und Bilder generieren? "Natürlich ist die KI für Kreative und Kommunikationsagenturen ein Gamechanger", konstatiert Blach. "Aber der eigentliche Booster ist die Zusammenarbeit: Menschen definieren weiterhin Strategie,  Leitidee, Tonalität -  die KI übernimmt: Adaption, Visualisierung, Optimierung und Skalierung. KI hilft also bei der Content-Erstellung - aber die Menschen erzeugen die Bedeutung".

„Bei Musik sollte auch im KI-Zeitalter der Mensch im Fokus stehen“

Michael Duderstädt, Direktor Politische Kommunikation der GEMA und Standortleiter Berlin,stellte die Frage nach der Bedeutung von KI für die Musikwirtschaft. Was ist Musik wert, wenn Maschinen sie erzeugen? Der Vortrag stellte die Bedeutung menschengemachter Musik in den Mittelpunkt und beleuchtete, wie KI-Anbieter die Musikwirtschaft herausfordern. Vor dem Hintergrund von Klagen der GEMA gegen die KI-Anbieter OpenAI und Suno ging es um den Schutz menschlicher Leistungen, faire Regeln - und ein Plädoyer dafür, dass  bei Musik auch im KI-Zeitalter der Mensch im Fokus stehen sollte.

„Generative KI basiert auf menschlicher Kreativität“, ist Duderstädt überzeugt. „Doch kreative Werke werden systematisch ohne Zustimmung und ohne Vergütung für das Training genutzt. Gleichzeitig treten KI-generierte Inhalte zunehmend in direkte Konkurrenz zu menschlichem Schaffen. Wir brauchen einen Rechtsrahmen, der diese Schieflage korrigiert und eine faire Vergütung der Urheberinnen und Urheber für die Nutzung kreativer Werke im Kontext generativer KI sicherstellt“, so Duderstädt abschließend.

„Künstliche Intelligenz ist längst fester Bestandteil kreativer Prozesse – und zunehmend auch Gegenstand intensiver rechtlicher Regulierung“

Marcus Hotze, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und Partner der HEUSSEN Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und HEUSSEN-Rechtsanwalt Lennart Rümmler gaben einen Überblick über den aktuellen Rechtsstand in Bezug auf (generative) KI in Film, TV und Marketing 2.0. Künstliche Intelligenz ist längst fester Bestandteil kreativer Prozesse - und zunehmend auch gegenstand intensiver rechtlicher Regulierung". Nach den ersten gerichtlichen Konflikten rund um generative KI beginnen Gesetzgeber und Rechtsprechung, die Weichen zu stellen. Marcus M. Hotze und Lennart Rümmler beleuchteten die aktuelle Rechtsentwicklungen und zeigten, welche Anforderungen und Chancen sich beim Einsatz generativer KI in Medien- und Kreativproduktionen ergeben – und was insbesondere vertraglich zu beachten ist.

„Die technische Entwicklung der Künstlichen Intelligenz schreitet bereits seit Längerem rasant voran, mittlerweile zieht auch die Entwicklung des Rechtsrahmens im Tempo an“, so Marcus Hotze. Erste Tendenzen und Lösungen zu Transparenzpflichten, Schutzrechten und vertraglichen Gestaltungsoptionen seien erkennbar, die Medienschaffenden und -verwertenden helfe, die Herausforderungen zu meistern. Wichtig, so Hotze, bliebe aber, angesichts der dynamischen Entwicklungen auch rechtlich am Puls der Zeit zu bleiben.

Produktion, Vertrieb und Pricing

Mit der operativen Seite der Medienbranche und ihren aktuellen Herausforderungen beschäftigten sich Experten im zweiten Teil des Medienfrühstücks.

„Lange galt die Cloud galt als unverzichtbar für skalierbares Videostreaming. Inzwischen stehen jedoch starke Alternativen zur Verfügung“

Björn Adamski, CCO bei dem Video-Hosting- und Streaminganbieter 3Q GmbH, setzt auf digitale Souveränität durch Cloud-unabhängige Videostreaming-Infrastruktur.

Lange galt die Cloud galt als unverzichtbar für skalierbares Videostreaming. Inzwischen stehen jedoch starke Alternativen zur Verfügung, mit denen sich einerseits Kosten senken lassen und andererseits die Anforderungen an digitale Souveränität erfüllt werden. Adamski zeigte auf, wie Videostreaming auf souveräner Infrastruktur ohne Abhängigkeit von Hyperscalern auf das nächste Level gehoben werden kann.

"Für die Medienwirtschaft ist Cloud-unabhängiges Video-Storage und Streaming ein Sicherheits-Upgrade. Mehr Transparenz über Video-Infrastruktur und -Zugriffe bedeutet stärkere Datenschutzkontrolle und Handlungsfähigkeit sowie gleichzeitig eine größere Unabhängigkeit von geopolitischen und kommerziellen Risiken einzelner Hyperscaler."

„Vertical Minds bieten mit ihrer „Micro-Drama-Plattform“  neue und effektivere Erlöswege für Filmproduktionen. Produzentinnen und Produzenten sowie Lizenzinhaber“

Markus Vogelbacher, Intelligence & Finance Partners, und Chriz Merkl von der MMC-Agentur für Interaktive Medien zeigten mit dem neuen Angebot „Vertical Minds“ einen Weg aus der Filmkrise auf. Vertical Minds bieten mit ihrer „Micro-Drama-Plattform“  neue und effektivere Erlöswege für Filmproduktionen. Produzentinnen und Produzenten sowie Lizenzinhaber verspricht dies eine direkte Erlösbeteiligung an der Mediennutzung der Zukunft. B2C-Streaming wird mit internationalem B2B-Licensing kombiniert und eröffnet so neue Verwertungswege für deutschsprachigen Premium-Content.

 „Verticals“ (Vertical Videos) sind professionell produzierte Filme im 9:16 – Hochkantformat und sind optimiert für mobile Endgeräte. In 1-Minuten-Episoden erzählen sie packende Geschichten in bis zu 120 Minuten – von Dark Romance über Comedy bis True Crime – und haben sich bereits als globaler Mega-Trend mit 8.000% Jahreswachstum etabliert.

Neue Preise braucht TV? Chancen und Risiken des von der AdAlliance angekündigten neuen TV-Pricing Modells für Sender und Vermarkter, Kunden und Agenturen“

Für das Jahr 2028 hat der Vermarkter Ad-Alliance die Einführung der Leistungsabrechnung für den linearen TV - Bereich auf TKP-Basis angekündigt. Damit soll eine Harmonisierung mit einer im digitalen Bereich gängigen Methodik und somit eine Vereinfachung der Planungs-, -Einkaufs- und Buchungsmechaniken herbeigeführt werden. Diese scheinbare harmlose Umstellung wird erheblich Auswirkungen für alle Marktteilnehmer haben.

Stefan Uhl, Geschäftsführer D-A-CH der Advise Media Consulting GmbH, setzte sich in seinem Vortrag mit Chancen und Risiken auseinander  und wagte einige Prognosen. 

"Die von einem der führenden deutschen Vermarktungshäuser angekündigte Änderung des Abrechnungssystems für linear TV hin zu einem TKP-basierten Modell, wie es für viele digitale Medien bereit etabliert ist, ist nachvollziehbar. Es wird aber zu erheblichen Friktionen in den eingespielten Beziehungen zwischen Vermarktern, Kunden und Mediaagenturen führen“, vermutet Uhl. „Diese Friktionen beziehen sich nicht nur auf fachliche - in diesem Fall mediaplanerische - spezifische Prozesse, sondern - und das ist von mutmaßlich wesentlich größerer Bedeutung - auf Preise für Media und vor allem mögliche Agentureinkommen“, so Uhl weiter. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, die inhaltliche Ausgestaltung von Agentur - Kundenbeziehungen im Mediabereich konsequent auf neue Entwicklungen zu justieren und zukunftsfähig zu gestalten, idealerweise vom ersten Schritt im Ausschreibungsverfahren an.  

Drucken

Artikel Teilen: